Neuster Report
- Öl steigt: Kriegs-Flotten in Hormuz – hohe Schwankungen bei Software-Aktien – Deutscher Aktienmarkt verliert an Bedeutung – EU hat es geschafft: Abriss-Birne zeigt jetzt ihre Zähne
Liebe Leser,
früher nannte man es „Flummi“. Also man schmeißt eine Kugel auf den Boden und diese springt und springt und springt. Genauso sind die Aktien-Märkte jetzt. Beim Oktoberfest singt man eher das Lied „Auf und Nieder, immer wieder …“ Sei es drum: die Finanz-Märkte sind ein Casino geworden. Ein Casino wiederum bedeutet „Zocken“ und nicht mehr „Investieren“. Exakt an diesem Punkt will ich heute ansetzen.
Die Abhängigkeit von den Zentralbanken, geopolitischer Gefahren und Beunruhigung, … alles ist wichtiger, als die Roh-Daten. In dieser Woche hat man deutlich den Einfluss Chinas auf die Edelmetall-Märkte gespürt. Durch das chinesische Neujahr waren die Börsen in China geschlossen und somit haben sich Gold und Silber gegenüber der Vorwoche kaum verändert. Hohe Schwankungen – und diesmal überwiegend Gewinne – hatten die jüngst angeschlagenen Software-Aktien wie Oracle. Nun, der Ausverkauf war nach der Ankündigung von KI-Anbieter, welche KI für automatisierte Software vorgestellt haben, übertrieben. Teilweise verlor der Software-ETF bis zu 30 %. Und wir sprechen hier von Multi-Milliarden Konzernen, die über einen hochrangigen Kundenstamm verfügen. Es war also eine gesunde Gegenbewegung. Allerdings muss ich auch sagen, dass etwa 50 % der US-amerikanischen Tech-Aktien unterhalb der 200-Tage-Linie liegen. Dies ist ein Signal für einen Bären-Markt.
Aber das Thema KI bleibt heiß und wird uns noch über viele Jahre begleiten. – Allerdings: ähnlich wie zum Hochpunkt des neuen Internet-Zeitalters künftig mit wahrscheinlich ganz anderen Akteuren. Ich habe mir in den letzten Tagen den „Spaß“ gemacht und einzelne DAX40 Unternehmen aufgrund ihrer Marktkapitalisierung angeschaut. Da kommt schon in die Region 5 Milliarden Euro, die im deutschen Aktien-Markt zu den Top40 gehören. Nur zum Vergleich: Allein Google investiert 180 Milliarden US Dollar und Amazon eine ähnliche Summe in die KI. Es ist ein verheerendes Missverhältnis, das übrigens Linde als damals größter Player im deutschen Aktien-Index erkannt hat und sich von der Börse in Frankfurt verabschiedet hat. Ich feiere diese Entwicklung nicht!, liebe Leser. Mir geht es nur um die rasante Diskrepanz auf dem globalen Finanz-Parkett. Die Musik spielt einfach nicht mehr in Europa. Das müssen wir akzeptieren und haben dennoch die Chance, auch in anderen Aktien-Märkten investieren zu können.
Bewegungen gibt es jetzt auch beim Öl-Preis. US-Medien berichten von einem bevorstehenden Militär-Schlag der US-Armee auf den Iran, der an diesem Samstagnacht beginnen soll. Die Straße von Hormuz ist eine Schüssel-Schleuse für die Öl-Lieferungen. Über 20% der weltweiten Energie-Ware wird durch diese Meeres-Enge verschifft. Bei einem Kriegsausbruch könnte der Fracht-Verkehr in diesem Gebiet zum Stillstand kommen. Betroffen wäre dann der gesamte Mittlere Osten – auch Saudi Arabien, wo über 30% der Öl-Lieferungen durch diese Meeres-Enge führt. Der Öl-Preis (Sorte Brent) hat die Marke von 72 US Dollar übersprungen und somit den Bären-Markt verlassen. Zu den Energie-Rohstoffen habe ich in meiner Premium-Ausgabe vom www.SWISSMONDAY.de ausführlich berichtet.In der kommenden Woche legen viele deutsche Unternehmen ihre Quartal- bzw. Jahresergebnisse vor: Bayer, Eon, Allianz, Deutsche Telekom, Hensoldt, Münchner Rück, Puma, BASF und bei Siemens Energy findet die Hauptversammlung statt. Ich habe zu Beginn der heutigen Ausgabe schon einmal auf die riesige Diskrepanz bei der Größe (nach Marktkapitalisierung) europäischer und US-amerikanischer Unternehmen angesprochen. Ganz ehrlich: Europa hat sich mit den politischen Eingriffen durch die EU in Bereichen der zahllosen Verbote, Regulierungen und Energie-Infrastruktur-Vernichtung ins Abseits geschossen. Die Folgen sind schon sichtbar. Auch Autos, wie wir sie heute kennen, verändern sich rasant. Es gibt noch ein paar Vorteile in Deutschland – aber der Abstand schmilzt. Die Rahmenbedingungen wurden so stark verschlechtert, dass EU-Staaten das nächste Jahrzehnt viel mehr mit sich selbst zu tun hat, als irgendeine Rolle auf den Zukunftsmärkten spielen zu können. Während dessen gehen die Entwicklungen in China und USA schnell voran.
Wie geht’s an den Börsen weiter?
Die Börse nimmt entsprechende Ankündigungen oder Erwartungen voraus. Im Fall des von Medien angekündigten Kriegsausbruch im Iran, bin ich mir nicht sicher. Denn je mehr die Erwartungen steigen, desto unwahrscheinlicher ist es. Nehmen wir an, dass man den Plan eines Einbrechers in sein Haus schon kennt, dann wartet dieser lieber ab. Nun, Trump ist für mich so unberechenbar, dass es natürlich bei Spekulationen bleibt. Doch die Kriegs-Flotten aus den USA, China und Russland ist schon offensichtlich eine große Bedrohung. Wie würden die Börsen reagieren? Bislang ist noch keine große Unruhe für mich sichtbar – mit Ausnahme beim Öl-Preis. Am Montag sind wir alle schlauer. Das Jahr 2026 ist noch am Anfang – und es wird bestimmt nicht langweilig. Selbst wenn man sich häufig mehr Ruhe wünscht.Ich wünsche ein tolles Wochenende!
Ihr
Rainer Hahn
Chefredakteur
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Risiko entsteht, wenn man nicht weiß, was man tut.
Warren Buffett
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