Aktien-Rally in Brasilien – Vodoo-Märkte durch Unternehmens-Anleihen – Q.4 Ausblick im Swiss Monday – Parallelen zu vorherigen Crashs offensichtlich – SpaceX gibt weitere Anleihen aus
Liebe Leser,
gleich zu Wochenbeginn startete die Börse in Brasilien im Höhenflug. Ausschlaggebend für die Rally waren die Wahlen. Bolsonaro hat voraussichtlich die Wahlen für sich entschieden und gilt als eher Wirtschaftsfreundlich. Petrobras zählte mit einem Mega-Anstieg von 10% zu den größten Gewinnern.
Dennoch habe ich zu Beginn der heutigen Ausgabe eine ganz einfache Frage: „In welchem Movie leben wir gerade?“ Wie komme ich auf diese absurde Frage? Nun, zumindest aus meiner Sicht erleben wir gerade eine Art „Vodoo-Märkte“. Denn während in den letzten Jahren die Tech-Aktien vorwiegend aufgrund von „Aktien-Rückkäufen“ gestiegen sind, steigen jetzt die Aktien aufgrund von der Ausgabe neuer Anleihen, weil das CAPEX ihre Liquidität auffrisst. Es ist also genau das Gegenteil, was zuvor die Rally angetrieben hat. Doch die Kapital-Kosten (Zinsen für ausgegebene Anleihen) steigen in astronomische Höhen. Wie soll das zurück bezahlt werden? Wann kommen bei den „Hyper-Scylern“, wie man „Neu-Deutsch“ sagt, die positiven Cash-Flows? Es ist ein Wettrennen im KI-Sektor, welches nur wenige gewinnen können. Die anderen Investitionen versinken in den Büchern als Total-Verlust.
Wie lange halten diese Billionen-Investitionen die „Private Debt Investors“ noch aus? Wie lange hält die Liquidität? Das sind berechtigte Fragen, weshalb auch die KI-Riesen und IPO-Anwärter wie Anthropic und OpenAI jetzt vor ihren eigenen Produkten warnen. Komisch? Ja und Nein. Darüber kann man in der Tat ein ganzes Buch schreiben. Auf jeden Fall wird der ein oder andere auf der Strecke bleiben. Ich war selbst Ende der 1990er Jahre in der Dot.com Bubble als Börsen-Jüngling aktiv. Viele sagen heute, dass es doch ganz anders sei. Die Lüge der Finanzwirtschaft kann sich lange ziehen. Allerdings fliegt am Ende alles auf. Und hier sind wir bei den Futures-Märkten. Sind die Preise für Gold & Silber, für Oil&Gas und Diesel oder Kerosin an den Futures-Märkten auch die Realpreise? Nein, die Divergenz ist extrem geworden. Und genau hier sind wir auch bei dem Endspiel des „Unternehmen-Anleihen-Casinos“. Wetten laufen so lange, bis geliefert werden muss. Eine alte Fausregel.
So, und jetzt rede ich hier im frei zugänglichen Newsletter einmal „Tacheles“! Das 4.Quartal ist angebrochen und es ist ja toll, wenn der Öl-Preis auf Brent nur knapp über 100 US Dollar liegt. Doch niemand kann dieses Öl OHNE einer Raffinerie im Auto- oder Flugzeug-Tank verwenden. Deshalb müssen wir uns die Preise des Bedarfs anschauen. Und genau hier liegt der gewaltige Preis-Aufschlag. Dieser Winter wird zu einem Super-Gau führen. Ich lehne mich hier sehr weit aus dem Fenster. Aber ehrlich gesagt: ich finde eine Aussage: „Wir schaffen das“ an dieser Stelle viel gewagter. Die mediale Sensibilisierung für Rationierungen werden bereits subtil in die Hirne der Menschen eingepflanzt. Somit ist die Überraschung unterschwellig am Tag X nicht mehr so hart. Doch der Aufschlag wird gewaltig. Ich prophezeie an dieser Stelle, dass die Diskussionen über die Energie-Knappheit spätestens im November startet. Bislang scheint noch die Sonne und tagsüber zählen die Thermometer in Deutschland noch rund 20 Grad. Also scheint dieses Thema weit entfernt.
Am kommenden Montag erscheint wieder die Premium-Ausgabe vom www.swissmonday.de. Darin behandel ich u.a. die Erwartungen für das 4.Quartal. Es ist ein Quartal, das voller politischen Entscheidungen mit den Zwischenwahlen in den USA und Wahlen in Israel gefüllt ist. Außerdem bleibt die Frage, ob Anthropic in diesem Winter noch den Billionen-schweren Börsengang schafft? Wie krass der Kampf um die Liquidität momentan ist, zeigt auch Elon Musk. Für sein Raum-Schiff Projekt im Welt-All Rechenzentren aufzubauen, werden weitere 40 Milliarden US Dollar an Anleihen ausgegeben. Erst kürzlich wurden 75 Milliarden US Dollar beim SpaceX IPO eingesammelt. Das Geld verschwindet wie Sand in einem Sieb, das so groß ist, wie ein Scheunentor. Die Liquidität geht aus bzw. die Schulden steigen. Entweder platzt die Schulden-Bubble, oder es muss frisches Geld gedruckt werden. Beides ist für die Finanzmärkte eine Katastrophe. Und diese Katastrophe rückt immer näher! Lesen Sie mehr am Montag im www.swissmonday.de!
Wie geht’s an den Börsen weiter?
Quartalszahlen der kommenden Woche: Citigroup, Goldman Sachs, Johnson&Johnson, JP Morgan, Proctor&Gamble, Morgan Stanley, Wells Fargo, ASML, Black Stone, Charles Schwab, Taiwan Semiconductor (TSMC). Erst in der Folgewoche geht es dann mit den Mag.7 langsam aber sicher richtig los. In der Zwischenzeit bekommen wir sicherlich noch weitere Informationen über die BIG-Player im KI (bzw. Super-Intelligenz) Sektor, weil die Börsengänge von Anthropic und OpenAI aufgrund der geplanten Rekord-IPOs erhebliche Ausmaße für die Liquidität an den Finanzmärkten haben. Auch die vermeintlichen „Zirkelgeschäfte“ von Nvidia sind ein mittlerweile offenes Geheimnis, welches die Private Debts Invesments immer mehr in Schieflage bringt, wie man bei den Anleihen-Preisen beispielsweise bei Oracle oder auch Softbank als größter Investor von OpenAI sieht. Softbank zahlt mittlerweile Anleihen-Renditen zwischen 11 und 12%. Also der Markt ist heiß. In meinen Augen hängt der Finanzmarkt am seidenen Faden, der schon wie bei einer Laufmasche die ersten Risse hat. Nun, man kann die Strumpfhose noch kurz nähen. Am Anfang ist es sexy, doch eines Tages ist alles aufgerissen und verbraucht.
Ich wünsche ein erholsames Wochenende.
Ihr
Rainer Hahn
Chefredakteur